Wenn die Prinzessin errötet

Erdbeerernte mit Fingerspitzengefühl auf den Krewelshöfen in Obergartzem und Lohmar – Durchschnittlich 650 Schalen pro Tag – Starkregen hätte ohne Tunnel schon zu Ernteausfällen geführt

Mechernich-Obergartzem – Die „süße Prinzessin“ wird die Erdbeere auf den Krewelshöfen in Obergartzem und Lohmar genannt. Im neuen Erdbeertunnel hat sie ihr eigenes Himmelbett, in dem sie es schön warm hat und behutsam Tropfen für Tropfen bewässert wird. Als fleißige Helferlein sind um sie herum die sanft brummenden Hummeln unterwegs, die sie mit ihren Flügelschlägen an den Blüten kitzeln. Da errötet die Erdbeere vor Freude.

Freude verbreitet sich auch unter den Naschkatzen, wenn die ersten roten Früchte geerntet werden können. „Am besten ohne Umweg direkt in den Mund, dann schmecken die Erdbeeren am besten“, verrät Kim Bieger vom Krewelshof Lohmar beim Besuch im Erdbeertunnel. Deshalb werden die roten Früchte jeden Morgen frisch für den Verkauf im Hofladen gepflückt. Und weil die Erdbeere eine besonders sensible Frucht ist, „pflücken wir sie immer nur samt Zweig und Blättern von der Pflanze und berühren das Fruchtfleisch gar nicht erst“, erklärt Bauer Theo Bieger.

Jeden Morgen frisch gepflückt

Durchschnittlich 650 Schalen mit je 500 Gramm Erdbeeren rechnet das Krewelshof-Team pro Tag. Damit das gelingen kann, wurden die Erdbeeren in den neuen „Erdbeerhäusern“ in erhöhten Regalen gepflanzt, von wo sie schräg über den Rand hinausranken können. So können die Früchte sich voll entfalten, wachsen in perfekter Form und liegen auch nicht auf feuchter Erde oder Stroh, wo es schnell zu Infektionen zum Beispiel mit Pilzen kommen kann.

„Starkregen wie er kürzlich mehrfach aufgetreten ist, hätte schon jetzt zu deutlichen Ausfällen bei der Erdbeerernte geführt“, ist Theo Bieger überzeugt. Die Erdbeertunnel, die optimal klimatisiert sind und die Pflanzen vollautomatisch über sogenannte „Spaghetti-Schläuche“ mit der idealen Menge an Wasser (aus dem hofeigenen Regenrückhaltebecken) und Dünger versorgen, sind auch deshalb so wichtig, weil Schädlinge und Pflanzenkrankheiten dort im Prinzip keine Chance haben – und der Bauer somit auch nicht mit Spritzmitteln gegenwirken muss.

Fleißige Hummeln

Für eine optimale Ernte und auch im Kampf gegen Schädlinge spielen darüber hinaus auch Nützlinge eine immer größere Rolle in der Landwirtschaft. Bauer Theo etwa setzt auf Hummelvölker für eine natürliche Bestäubung. So summt und brummt es in dem warmen „Erdbeerhaus“, während die fliegenden Helferlein ihrer Arbeit nachgehen.

Seit Ende April werden auf dem Krewelshof nun die ersten eigenen Erdbeeren geerntet. Dank der hohen Pflanzregale müssen die Pflücker sich nicht mehr bücken und können die reifen Früchte direkt neben sich auf einem Rollwagen sammeln. So kann in der gleichen Zeit etwa doppelt so viel geerntet werden.

Ernte von April bis Oktober

Um eine lange, gleichmäßige Ernte erzielen zu können, wachsen in Obergartzem zwei verschiedene Erdbeerkulturen heran. Wenn die eine nach fünf bis sechs Wochen abgeerntet ist, kann die zweite Kultur vom „herkömmlichen“ Tunnel in das neue Erdbeerhaus umziehen, wo es dann nahtlos mit der Ernte weitergehen kann. Das hochgesteckte Ziel: von April bis Oktober 180 Tage lang frische Erdbeeren.

Für den perfekten Genuss sollte man die Erdbeeren übrigens möglichst rasch verzehren und nicht unter fließendem Wasser, sondern besser in einer Schale direkt vor dem Essen waschen. Wer länger etwas von der süßen Frucht haben möchte, kann sich den ganzen Sommer lang durchprobieren: Erdbeermarmelade, Erdbeersirup, Erdbeermus, Erdbeersecco und natürlich Erdbeerkuchen aus der Hofbäckerei.